Trance und Trancezustände –
Gefahren, Irrtümer und Hintergründe


Eine kritische Betrachtung von Ralf Manthey ©

DSCI1030

Wenn man im Internet zu dem Begriff „Trance“ recherchiert, findet man inzwischen zahlreiche (i.d.R. esoterische und alternative) Anbieter, aber auch Seminare und sogar Schulen, die Trancemethoden zu verschiedenen Zwecken anbieten oder lehren. Über den Nutzen von Trancemethoden (z.B. zur Entspannung, Heilung, Rückführungen, Kontakt zu Verstorbenen und sogar für Zahnarztbehandlungen ohne Betäubung etc.) kann man im Internet und durch zahlreiche Literatur viel erfahren, aber über die Risiken und die tieferen Hintergründe eher wenig. Leider werden eventuelle Risiken eher verharmlost oder sogar verneint. Z.B. fragte in einem Internet-Forum ein Nutzer nach den Risiken einer bestimmten Trancemethode, weil bei ihm negative Symptome aufgetreten waren; alle Antworten, die er dort bekam, hatten den gleichen Tenor: „es gibt keine Risiken und die Trancemethode wäre ganz unbedenklich!“. Solche Äußerungen finde ich sehr bedenklich, denn Trancezustände können durchaus mit nicht unerheblichen negativen Nebenwirkungen verbunden sein. Und anhaltende Trancezustände an sich sind oft schon ein Zeichen für eine negative Entwicklung. Dies kann ich durch eigene „leidvolle“ Erfahrungen und die Beobachtung zahlreicher anderer Betroffener belegen. Bevor ich aber auf die negativen Folgen von Trance eingehen werde, möchte ich zunächst den Begriff „Trance“ näher definieren.


Definition, Formen und Ursachen von Trance

Im Fremdwörterbuch habe ich folgende Definition für „Trance“ gefunden: „Dämmerzustand, Zustand zwischen Bewusstsein und Willenlosigkeit, Übergang zum Schlaf“. Außerdem ist der Begriff „Trance“ vom dem lateinischen Verb „transire“ abgeleitet, welches übersetzt „hinüber gehen“ heißt. Beide Definitionen kommen dem Ablauf bei einer willentlich oder nicht willentlich herbei geführten Trance sehr nah. Denn während einer (tiefen) Trance verlässt man i.d.R. mit seinem psychischen Körper (auch Astralkörper genannt) seinen physischen Körper und befindet sich dann auf der “astralen Ebene”.
Menschen, die ein Nahtoderlebnis hatten oder Astralreisen durchführten, berichteten oft davon, dass sie über oder neben ihrem Körper schwebten und ihren eigenen Körper von außen betrachten konnten.
Trance bzw. außerkörperliche Zustände gehen i.d.R. einher mit veränderten Bewusstseinszuständen. Es gibt verschiedene Abstufungen und Formen der Trance:
Von der leichten Trance, wie z.B. der Tagträumerei, mangelnde Konzentration, Abwesenheit, Schläfrigkeit und dem Dämmerzustand - bis hin zur vollen oder tiefen Trance, dem Weggetreten und Entrückt sein, dem Blackout und dem Bewusstseinsverlust oder der Ohnmacht. Während bei einer leichten Trance ein mehr oder weniger loser Kontakt zum Körper besteht, tritt man bei einer vollen Trance ganz aus dem physischen Körper heraus. Bei einer Trance kann trotzdem die Bewegungsfähigkeit des Körpers erhalten sein. Dies kann man bei einigen Trancetänzen von Naturvölkern gut beobachten.

Und es gibt unterschiedliche Ursachen für eine Trance bzw. einem außerkörperlichen Zustand:


Die negativen Auswirkungen von Trance bzw. außerkörperlichen Zuständen

Da alle Menschen auf natürliche (und deswegen auch geschützte) Weise nachts den Körper verlassen, verläuft dies i.d.R. ohne schädliche Wirkungen. Und der seriöse Schamane, der in Trance bewusst seinen Körper verlässt, weiß genau um die Gefahren, und eine voran gegangene oft lebenslange harte Ausbildung, Selbstlosigkeit und spezielle Schutzmaßnahmen sind sein Schutz vor Gefahren. Die Menschen, die sich (oft unbewusst) in dauerhaften Trancezuständen befinden oder die bewusst ohne Schutz, aus Leichtsinn und egoistischen Motiven Trancemethoden anwenden oder häufig gezielt den Körper verlassen, wie es z.B. bei bewussten “Astralreisen” der Fall ist, haben früher oder später mit folgenden typischen negativen Auswirkungen zu tun:

Trance aus psychiatrischer Sicht

Aus psychiatrischer Sicht wird ein Trancezustand nicht per se als Störung wahrgenommen, wie z.B. die religiösen und kulturell akzeptierten Trance-Rituale ohne schädliche Folgen. Erst wenn als Folge der Trance belastende und schädliche Auswirkungen auftreten, wie z.B. Identitätsverlust, Bewusstseinsverminderung und Einschränkungen der Bewegungen, spricht man von einer „Störung“. Im „ICD-10“, wo die diagnostischen Kriterien für psychische Störungsbilder festgeschrieben sind, findet man das Störungsbild „Trance und Besessenheitszustände“, welches ein Unterkriterium der „Dissoziativen Störungen“ (Abspaltung) ist. Besessenheit ist dort auf folgende Weise definiert: “die Betroffenen sind überzeugt, von einem Geist, einer Macht, einer Gottheit oder einer anderen Person beherrscht zu werden”.


Was kann man tun, wenn man mit negativen Nebenwirkungen von Trancezuständen zu tun hat?

Der Unterschied zwischen einer Trance und einem meditativem Zustand

Mir sind nicht wenige Menschen bekannt, die über längere Zeit durch falsch angewandte Meditation in Trancezustände geraten sind, ohne dass ihnen das bewusst war. Auch mir ist dies vor vielen Jahren passiert. Ich hatte über einen langen Zeitraum täglich meditiert und wurde mit der Zeit zunehmend antriebsloser und passiver und verlor immer mehr das Interesse an meinen Mitmenschen und dem normalen Alltagsleben, statt dessen lebte ich in einer illusionären “inneren” Scheinwelt. Diese negative Entwicklung vollzog sich über ein paar Jahre, und ich sah es lange Zeit auch nicht als Problem; sondern im Gegenteil deutete ich fälschlicherweise meine negativen Symptome sogar als Zeichen eines spirituellen Fortschritts. Erst als ich immer stärker mit den physischen und psychischen Folgen zu tun hatte (z.B. Müdigkeit, Ängste, Bewusstseinsstörungen, soziale Probleme, Isolation, Depressionen), wurde ich nachdenklicher und begann nach der Ursache zu suchen; aber zunächst ohne Erfolg, da ich in der falschen Richtung suchte. Erst eine erfahrene spirituelle Lehrerin wies mich darauf hin, dass meine negativen Symptome durch die Art und Weise, wie ich meditierte und durch meine negative Haltung zum Leben zustande gekommen war. Da ich medial veranlagt bin und damals eine ablehnende Haltung dem Leben gegenüber hatte (es war mir zu banal und zu anstrengend), war ich in den abendlichen Meditationen immer mehr aus dem Körper bzw. in eine anhaltende gefährliche Trance gerutscht. Ich hatte mich sozusagen “aus dem Leben heraus meditiert”.
Da die Grenzen zwischen einer negativen Trance und einem positiven meditativen Zustand oft für den Laien nicht leicht zu erkennen sind, möchte an dieser Stelle einmal die groben Unterschiede benennen:

- bei einem Trancezustand befindet man sich mehr oder weniger außerhalb des Körpers mit den oben beschriebenen negativen Folgen:
Verminderung der Lebensenergie, Bewusstseinsstörungen und -minderung, Dauermüdigkeit, Trägheit und Gleichgültigkeit etc.

- bei einem meditativen Zustand ist man fest im Körper verankert, in einem wachen, präsenten und klaren Bewusstseinszustand; und die Lebenskraft und die geistige Klarheit nimmt zu. Mit einem meditativen Zustand ist nicht in erster Linie das Ausüben einer bestimmte Meditationstechnik gemeint (wie z.B. eine bestimmte Zeit am Tag still zu sitzen), sondern eher eine grundsätzliche wache, präsente und friedliche (Geistes-) Haltung mit der man seine alltäglichen Angelegenheiten verrichtet.


Trance aus evolutionärer und spiritueller Sicht

Durch Trancezustände landet man i.d.R. - wie oben beschrieben - auf der “astralen Ebene”, mit den dazu gehörigen übersinnlichen Eindrücken und Phänomenen (Energien, Farben, Wesenheiten, Stimmen etc.). Gerade unerfahrene Menschen halten die “astrale” Ebene aber irrtümlicher Weise für die spirituelle Ebene. Dabei ist die “astrale” Ebene, unterhalb der der geistig-spirituellen Ebene angesiedelt und voller Irrtümer, Verblendungen und Gefahren. Daher sind aus evolutionärer Sicht außerkörperliche Trancezustände - auch wenn sie über viele Jahrtausenden von seriösen Schamamen und Heilern etc. (und auch heute noch) erfolgreich angewendet worden sind - für den modernen Menschen rückschrittlich und überholt, und eher ein Hindernis für eine gesunde geistige (spirituelle) Entwicklung.
Um einem Missverständnis vorzubeugen, ich bin aber nicht grundsätzlich gegen mediale bzw. psychische Fähigkeiten und den damit verbundenen Empfang übersinnlicher Eindrücke - insofern man ethisch und selbstlos ausgerichtet ist! Wenn man aber langfristig eine gesunde psychische und spirituelle Entwicklung anstrebt, dann ist ganz wesentlich entscheidend, dass man seinen Fokus auf der physischen Ebene hat, d.h. gut in seinem physischen Körper verankert ist, ein stabiles Lebensfundament (Erdung, geregeltes Alltagsleben etc.) aufgebaut hat - und Trance und außerkörperliche Zustände vermeidet!
 

Das Copyright © für diesen Text hat:

Ralf Manthey
22880 Wedel
Email: ralf-manthey@online.de
Internet: www.ralf-manthey.de


 


 

 

Sonnen Logo Neu klein

Sensitivität und Medialität

Informationen zu den Chancen und Risiken

a_Logo_Strich